ohne titel
Ich fessle dich,und dennoch fühlst du dich frei
Ich verbinde deine Augen und dennoch siehst du mehr als je zuvor
Meine Hand fügt dir Schmerzen zu und dennoch bist du glücklich
Tränen rollen über deine Wangen und dennoch sind es Freudentränen
Deine Demut ist ein Geschenk für mich und macht mich Stolz
Das Seil
Ein Seil liegt lose da
akkurat, liebevoll
in ein Muster geschlungen präsentiert es sich
das Seil
Anfang und Ende sind eins
in einen Kreis gelegt
wie auch unser Leben
sich im Kreise bewegt
scheinbar unbeweglich
das Seil
Stummer Zeuge
von Minuten
von Stunden
des Fixierens
des Angebundenseins
des Loslösens
nicht das Seil tut dies
deine Hand
lässt das Seil erst Macht gewinnen
Was lässt mich stehen und harren
hören wie das Seil
durch deine Hände gleitet
nur erahnend
geschnürt werde ich sein
unbeweglich
mein Körper
nur meine Sinne wandernd durch den Raum
ein Seil
warum das Seil so köstlich sein soll
mir Erlösung bringen wird
du weißt es, ziehst fester
noch fester
Akkurat wie zu Beginn soll es sein
meine Haut quillt hervor
lässt rote Spuren bloß erhaschen
ein Stich fährt durch meinen Bauch
fester ziehst du, fester
spürst meine Bedrängnis
mein Rucken
mein sich - wehren
fester das Seil
Mit einem Ruck hebst du mich hoch
ein Päckchen geschnürt ich bin
deine Hände berühren zärtlich meine Haut
du lässt mich sanft zu Boden gleiten
ein violettes Tuch liegt bereit
ein Knoten nach dem andern du entwirrst
mich streichelnd und liebkosend
zurückführst
zum Ende des Anfangs
das Seil....