• Eisblume_ Faß es, was sich dir enthüllt!

    Faß es, was sich dir enthüllt!
    Ahne dich hinan zur Sonne!
    Ahne, welche Schöpfer-Wonne
    jedes Wesen dort erfüllt!

    Klimm empor dann dieser Geister
    Stufen bis zur höchsten Schar!
    Und dann endlich nimm Ihn wahr:
    Aller dieser Geister Meister!

    Und dann komm mit Ihm herab!
    Unter Menschen und Dämonen
    komm mit Ihm, den Leib bewohnen,
    den ein Mensch Ihm fromm ergab.

    Faßt ein Herz des Opfers Größe!
    Mißt ein Geist dies Opfer ganz!--
    Wie ein Gott des Himmels Glanz
    tauscht um Menschennot und--blöße!

    Von Christian Morgenstern
    vor 28 Tagen und 22 Stunden. ·
    Eisblume_ Ich wünsche allen eine wunderbaren Abend.
    vor 28 Tagen und 22 Stunden.
    GracefulDream danke - auch ich wünsche dir nen feinen Abend :-)
    vor 28 Tagen und 21 Stunden.
  • Eisblume_ Sehnsucht

    Es schienen so golden die Sterne,
    Am Fenster ich einsam stand
    Und hörte aus weiter Ferne
    Ein Posthorn im stillen Land.
    Das Herz mir im Leib entbrennte,
    Da hab' ich mir heimlich gedacht:
    Ach, wer da mitreisen könnte
    In der prächtigen Sommernacht!
    Zwei junge Gesellen gingen
    Vorüber am Bergeshang,
    Ich hörte im Wandern sie singen
    Die stille Gegend entlang:
    Von schwindelnden Felsenschlüften,
    Wo die Wälder rauschen so sacht,
    Von Quellen, die von den Klüften
    Sich stürzen in die Waldesnacht.
    Sie sangen von Marmorbildern,
    Von Gärten, die überm Gestein
    In dämmernden Lauben verwildern,
    Palästen im Mondenschein,
    Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
    Wann der Lauten Klang erwacht
    Und die Brunnen verschlafen rauschen
    In der prächtigen Sommernacht.

    Joseph von Eichendorff
    vor einem Monat und 5 Tagen. ·
  • Eisblume_ An die Wolken

    Und immer wieder,
    wenn ich mich müde gesehn,
    an der Menschen Gesichtern,
    so vielen Spiegeln
    unendlicher Torheit,
    hob ich das Aug
    über die Häuser und Bäume
    empor zu euch,
    ihr ewigen Gedanken des Himmels.

    Und eure Größe und Freiheit
    erlöste mich immer wieder,
    und ich dachte mit euch
    über Länder und Meere hinweg
    und hing mit euch
    überm Abgrund Unendlichkeit
    und zerging zuletzt
    wie Dunst,
    wenn ich ohn´ Maßen
    den Samen der Sterne
    fliegen sah
    über die Acker
    der unergründlichen Tiefen.

    Christian Morgenstern
    vor einem Monat und 10 Tagen. ·
  • Eisblume_ Schauder
    Jetzt bist du da, dann bist du dort.
    Jetzt bist du nah, dann bist du fort.
    Kannst du's fassen? Und über eine Zeit

    gehen wir beide die Ewigkeit
    dahin - dorthin. Und was blieb? ...
    Komm, schließ die Augen, und hab mich lieb!

    Christian Morgenstern
    vor einem Monat und 14 Tagen. ·
  • Eisblume_ Die Stille

    Es weiß und rät es doch keiner,
    Wie mir so wohl ist, so wohl!
    Ach, wüßt es nur Einer, nur Einer,
    Kein Mensch es sonst wissen soll!

    So still ist's nicht draußen im Schnee,
    So stumm und verschwiegen sind
    Die Sterne nicht in der Höhe,
    Als meine Gedanken sind.

    Ich wünscht, es wäre schon Morgen,
    Da fliegen zwei Lerchen auf,
    Die überfliegen einander,
    Mein Herze folgt ihrem Lauf.

    Ich wünscht, ich wäre ein Vöglein
    Und zöge über das Meer,
    Wohl über das Meer und weiter,
    Bis daß ich im Himmel wär!

    Joseph von Eichendorff
    vor einem Monat und 15 Tagen. ·
  • Eisblume_ Wenn vom Baum die Blätter fallen,
    und der Herbstwind fegt durchs Land,
    fülln sich langsam die Regale,
    Weihnachtsduft erfüllt das Land.

    Wo ich hinseh Weihnachtsmänner,
    Spekulatius, Marzipan,
    kann`s schon langsam nicht mehr sehen,
    warum tun sie uns das an.

    Nicht mehr lang, ihr werdets sehen,
    steht der Hase unterm Baum,
    hängt die Eier an die Nadeln,
    schlimmer werden kanns ja kaum.

    Heinz Bornemann
    vor 2 Monaten und 28 Tagen. ·
  • Eisblume_ Meine Zunge

    Wandert über deine Lippen
    streichelt deinen Hals
    und findet Stellen
    lieblich
    rosig
    weich und weiß umschlungen
    rührt in weiten Tälern
    räkelt sich an wohl'gen Höhn
    reibt sich über Flanken
    Berge
    ein in Tiefen
    nie gesehn -
    labt sich an den süßen Quellen
    ruht in Mulden
    badet sich in milchig Bächen
    sonnt sich im Geräusch
    der Wonne
    an dem höchsten
    schönsten Punkt
    und
    wartet -
    nur um bald
    mit freudigem
    Vergnügen
    ihre Reise
    frisch erholt
    von vorne
    zu beginnen.
    vor 3 Monaten und 18 Tagen. ·
  • Eisblume_ Du!
    Du bist da irgendwo, irgendwo da draußen
    Du, der du zu mir gehörst
    Ich suche, doch kann dich nicht finden.

    Du!
    Du bist da irgendwo, irgendwo da draußen
    Ich weiß, dass du da bist
    Wieso kommst du nicht zu mir?

    Du!
    Du bist da irgendwo, irgendwo da draußen
    Ich suche dich, ich brauche dich
    Doch brauchst du auch mich?

    Du!
    Du bist da irgendwo, irgendwo da draußen
    Ich warte auf dich, nur auf dich
    Doch wo ist da der Sinn?

    Du!
    Du bist da irgendwo, irgendwo da draußen
    Ich finde dich, ich sehe dich
    Doch du siehst mich nicht.


    vor 3 Monaten und 19 Tagen. ·
  • Eisblume_ Der Freund

    Wer auf den Wogen schliefe,
    Ein sanft gewiegtes Kind,
    Kennt nicht des Lebens Tiefe,
    Vor süßem Träumen blind.

    Doch wen die Stürme fassen
    Zu wildem Tanz und Fest,
    Wen hoch auf dunklen Straßen
    Die falsche Welt verläßt:

    Der lernt sich wacker rühren,
    Durch Nacht und Klippen hin
    Lernt der das Steuer führen
    Mit sichrem, ernstem Sinn.

    Der ist vom echten Kerne,
    Erprobt zu Lust und Pein,
    Der glaubt an Gott und Sterne,
    Der soll mein Schiffmann sein!

    Joseph Freiherr von Eichendorff
    vor 3 Monaten und 24 Tagen. ·
  • Eisblume_ Der Nachtwind

    Der Nachtwind hat in den Bäumen
    Sein Rauschen eingestellt,
    Die Vögel sitzen und träumen
    Am Aste traut gesellt.

    die ferne schächtige Quelle,
    Weil alles andre ruht,
    Lässt hörbar nun Welle auf Welle
    Hinflüstern ihre Flut.

    Und wenn die Nähe verklungen,
    Dann kommen an die Reih
    Die leisen Erinnerungen,
    Und weinen fern vorbei.

    Nikolaus Lenau
    vor 4 Monaten und 8 Tagen. ·
  • Eisblume_ Der Mensch

    Empfangen und genähret
    vom Weibe wunderbar,
    kömmt er und sieht und höret
    und nimmt des Trugs nicht wahr;
    gelüstet und begehret,
    und bringt sein Tränlein dar;
    verachtet und verehret,
    hat Freude und Gefahr;
    glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
    hält nichts und alles wahr;
    erbauet und zerstöret;
    und quält sich immerdar;
    schläft, wachet, wächst und zehret;
    trägt braun und graues Haar;
    und alles dieses währet,
    wenn' s hoch kommt, achtzig Jahr.
    Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder,
    und er kömmt nimmer wieder.
    vor 4 Monaten und 9 Tagen. ·
  • Eisblume_ Der Weg
    Ein gerader Weg, ohne Biege, sehr begehrt
    doch selten mit Erfahrung reich beschert

    den Weg verlasssen, handeln, ohne viel zu denken
    wird dasLeben reich mit Erfahrung dir beschenken

    wer diesen Reichtum hat genossen
    sich des eig'nen Weges hat beschlossen

    wird Liebe, Leid und Glücke seh'n
    wird in folge weiter geh'n

    nur gerade aus, der wird verlieren
    wird sich in der Unendlichkeit verirren

    denn die Liebe ists, wenn das Leben sich erweckt
    jedoch sie sich am rande stehts versteckt.
    vor 4 Monaten und 10 Tagen. ·
  • Eisblume_ Damals
    Arm in Arm lagen wir auf einer großen Wiese.
    Umrahmt von vielen Blumen schauten wir zum Himmel hinauf.
    Wir bauten Luftschlösser,
    träumten unsere Zukunft.

    Heute stehe ich allein auf einer Wiese,
    blicke hinauf in den Himmel, verfolge den Lauf der Wolken
    und denke,
    vielleicht siehst du zu mir hinunter.
    vor 4 Monaten und 11 Tagen. ·
  • Eisblume_ Du und ich

    Du und ich!
    Wunschlose Seligkeit
    Strömt deine Nähe über mich.
    Der Alltag wird zur Sonntagszeit,
    Unsterblich schlingt das Leben sich
    Um uns. Und Menschengöttlichkeit
    Fühl' ich bei dir durch dich.

    Was einst gewesen, weiß ich kaum.
    Die enge Welt wird weiter Raum.
    Und Holz wird Eisen, Eisen Holz
    Und Stolz wird Demut, Demut Stolz.
    Gar wunderbare Weisen
    Singt dann bei seinen Kreisen
    Mein Blut im Paradies für mich.
    Es haben alle Wünsche Ruh', -
    Ich weiß nicht mehr, wer bist dann du.
    Ich weiß nicht mehr, wer bin dann ich.

    Max Dauthendey
    vor 4 Monaten und 12 Tagen. ·
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